Warum der Weg aus toxischen Beziehungen bei uns selbst beginnt
- einfachleben5
- 4. Okt. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 6. Dez. 2025
Narzissmus – kaum ein Begriff aus der Psychologie wird so inflationär benutzt wie dieser. In Foren, in Ratgebern, in Gesprächen zwischen Freundinnen oder Kollegen: „Der ist ein Narzisst“, „Die ist narzisstisch veranlagt.“
Meist ist damit ein klares Täter-Opfer-Szenario gemeint: Hier der manipulative, kalte Narzisst, dort das unschuldige Opfer, das ausgenutzt und verletzt wird. In gewisser Weise stimmt das auch so.
Doch die Wahrheit ist vielschichtiger und eben nahezu nie so einfach schwarz-weiß – wenn auch erstmal unbequemer, aber dafür langfristig auch heilsamer.
Mein Buch Der liebende Narzisst ist genau dieser Wahrheit gewidmet. Ich habe über Jahre geforscht, Literatur studiert, Fallbeispiele gesammelt und meine eigenen Begegnungen mit Menschen reflektiert, die ich als Narzissten erlebt habe.
Und ich bin weiter sogar noch gegangen: Ich habe auch meinen eigenen Anteil angeschaut – meinen eigenen narzisstischen Anteil! Meine blinden Flecken, meine Muster, meine Schemata. Die alle einmal sehr viel Sinn gemacht haben, in einer Zeit, in der mein Überleben von diesen Mustern abhing.
Denn der erste Schritt zur Heilung ist immer derselbe: Selbsterkenntnis, Reflexion und dann eine Entscheidung zur radikalen Selbstverantwortung.
Eigenverantwortung statt Schuldzuweisung
Hier spreche ich besonders jene an, die im Leben und in Beziehungen nach Klarheit suchen – Menschen mit einem starken Willen, ihre Muster zu verstehen und zu verändern.
Vielleicht erkennen Sie sich wieder: Sie haben sich schon oft gefragt, warum Sie immer wieder in ähnliche Dynamiken gerätst. Warum Sie sich in On-Off-Beziehungen verstrickst, warum Sie subtil abgewertet werden, warum Ihre Bedürfnisse zu kurz kommen.
Die Versuchung ist groß, den Finger nur auf den anderen zu richten. „Der Narzisst ist schuld.“ Doch diese Sichtweise hält dich in einer passiven Rolle gefangen. Sie gibt dir kurzfristig Halt, aber langfristig raubt sie dir deine Kraft.
Der Schlüssel liegt woanders: bei Ihnen selbst.
Nicht im Sinne von Schuld, sondern im Sinne von Macht. Denn erst wenn Sie ihre eigenen Anteile erkennen, wenn Sie Verantwortung für Ihre Reaktionen übernehmen, wenn Sie sich nicht länger als reines Opfer definieren – erst dann beginnt Veränderung. Schritt für Schritt.
Das ist die Essenz von Eigenverantwortung: Ich kann den anderen nicht ändern. Aber ich kann mich ändern. Ich kann mich entscheiden, meine Muster zu durchschauen und zu durchbrechen. Ich kann mich entscheiden, meine Würde wieder in die Hand zu nehmen.
Heilung durch Mitgefühl
Und doch – Selbstverantwortung allein reicht nicht. Hier kommt die zweite Dimension ins Spiel: Mitgefühl und Liebe. Ja, auch beim pathologischen Wort Narzissmus!
Denn Narzissmus ist kein Fremdkörper, der nur in „den anderen“ lebt. Er ist Teil unserer menschlichen Psyche.
Wir alle tragen narzisstische Anteile in uns – mal stärker, mal schwächer.
Wenn Sie beginnen, diese Wahrheit zu akzeptieren, verändert sich Ihr Blick. Plötzlich sind Narzissten nicht mehr nur Monster, die dich vernichten wollen. Sie sind verletzte Menschen, die ihre eigenen Überlebensstrategien entwickelt haben. Die gemein, hinterhältig, zerstörerisch sein können, ohne Frage.
Diese neue Sichtweise heißt nicht, dass Sie sich weiter missbrauchen lassen sollen.
Im Gegenteil: Mitgefühl bedeutet auch, klare Grenzen zu setzen.
Doch es heißt: Sie müssen den anderen nicht dämonisieren, um frei zu werden.
Sie können sagen: „Ja, ich sehe dich. Deine Verletzung. Und doch ist es deine. Und ich wähle mich.“
Hier öffnet sich der Raum, in dem Heilung geschieht – nicht in der Spaltung, sondern in der Integration.
Die Brücke zwischen Kopf und Herz
Das Buch Der liebende Narzisst ist keine einfache Abrechnung, kein weiteres Schwarz-Weiß-Buch.
Es ist eine Brücke:
Für diejenigen, die Klarheit und Struktur suchen, gibt es fundierte Recherche, differenzierte Analysen und Fallbeispiele, die das Thema Narzissmus verständlich machen.
Für diejenigen, die Erkenntnis und Sinn suchen, gibt es Mitgefühl, persönliche Einblicke und die Einladung, Liebe als radikalen Weg und Entscheidung zu sehen.
Beides gehört zusammen. Wissen ohne Herz bleibt kalt. Herz ohne Verantwortung bleibt schwach. Erst wenn wir beides vereinen, entsteht echte Freiheit.
Am Ende steht die Liebe
Die vielleicht provokanteste Botschaft meines Buches ist: Die Lösung liegt in der Liebe. Nicht in naiver Romantik, nicht in Selbstaufgabe.
Sondern in einer Liebe, die klar, wach und kraftvoll ist.
Liebe, die Grenzen kennt.
Liebe, die Verantwortung übernimmt.
Liebe, die nicht mehr aus Angst heraus klammert, sondern aus Würde heraus wählt.
So wird Narzissmus nicht länger zu einem Stigma, das trennt, sondern zu einem Spiegel, der uns zurückführt – zu uns selbst, zu unseren Beziehungen, und zu unserer Fähigkeit, radikal zu lieben. Sich dafür zu entscheiden, egal ob als Betroffener "Narzisst" oder Angehöriger. Das mag für Sie wie Hohn, ja wie eine Provokation klingen, weil es so gegen dem ist, was man gemeinhin über Narzissmus im Netz so liest. Meine Einladung: Probieren Sie es aus.
Jeden Tag aufs Neue: Verantwortung wählen und Liebe und Nähe zulassen.
Es ist Einladung und Herausforderung zugleich.
Eine Reise, die über Opferrollen hinausführt – hinein in Klarheit, Selbstverantwortung und Liebe.
👉 Mein Buch Der liebende Narzisst ist als Taschenbuch, Kindle sowie als Hardcoverausgabe auf Amazon erhältlich. Ebenso als Hörbuch überall dort, wo es Hörbücher gibt.




Kommentare